Der 16. Juli 2003 war der Tag, vor dem ich mich seit Ewigkeiten gefürchtet habe.
Faks benahm sich seit einigen Tagen irgendwie komisch. Er versteckte sich dauernd in seiner Bude und lag immer irgendwie merkwürdig mit dem Kopf auf dem Fußboden da.
Weil er allerdings noch normal fraß und auch sonst nicht die üblichen Krankheitsanzeichen zeigte, machte ich mir erstmal keine weiteren Sorgen und schob das aufs Alter.
Als Faks jedoch am Montag auch noch anfing so merkwürdig zu atmen (es könnte ja an der Hitze draußen liegen?) und dann am Morgen der ganze Zimmerboden mit winzigen Kötteln überseht war (obwohl Faks immer stubenrein war!), wurde ich jedoch wirklich aufmerksam. Am Dienstag verschlimmerten sich die Symptome und Mittwoch morgen hatte er wieder nicht seine Toilette benutzt.
Außerdem hatte er beim Atmen jetzt fast seinen Mund geöffnet.
Da wollte ich keine Minute länger warten und rief beim Tierarzt an. Gleich danach packte ich Faks in einen Korb und fuhr los. Mir war zwar klar, dass Faks nicht mehr der Jüngste war (immerhin schon 8.5 Jahre alt), doch irgendwie war ich überzeugt, dass es nichts Schlimmes sein würde.

Als die Tierärztin dann Faks aus dem Korb nahm und ihn untersuchte, war ich noch guter Hoffnung. Es würde sicher an der Hitze und an seinem Alter liegen. Vielleicht bekäme er noch eine Spritze in den Popo und dann könnte ich ihn wieder mit nach Hause zu seinem Manni nehmen. Faks war bisher nie krank, nur einmal hatte er wohl zuviel Grünfutter gemampft und ein paar Tage Bauchschmerzen. Damals half auch eine Spritze.
Doch diesmal kam alles anders: Die Tierärztin tastete seinen Bauch ab (waren es wieder Blähungen?) und machte ein ernstes Gesicht (aber eine Spritze würde doch helfen, oder?). Danach schaute sie in seinen Mund und meinte das sähe nicht gut aus (meinte sie vielleicht die Zähne?). Als sie nochmals seinen Bauch befühlte und den Kopf schüttelte, wurde mein schlimmster Alptraum wahr.
Sie fragte mich noch ob er auch Verdauungsstörungen habe, was ich auch bejahte.
Dies bestätigte wohl ihren Verdacht.
Ich brauchte nicht mehr zu hören, was er wohl hatte. Mir liefen die Tränen bereits in Strömen, als sie mir erklärte, Faks hätte einen tennisballgroßen Tumor im Bauch.
Die Atemprobleme kämen wohl davon, dass sich bereits Methastasen in der Lunge gebildet hätten und er nicht mehr atmen könnte. Ein Schnupfen könne ausgeschlossen werden, da er nicht nieste und auch seine Nase nicht tropfte.
Außerdem hatte sie festgestellt, dass sein Kreislauf bereits sehr instabil wäre und seine Schleimhäute im Hals bereits ganz hell wären. Sie riet mir dringend dazu ihn einschläfern zu lassen, da man nichts mehr tun könnte.
Faks würde irgendwann ersticken und dies wäre schlimmer als irgendwelche Schmerzen.

Ich konnte kaum noch zuhören und auch nicht mehr antworten, nur noch schluchzen.
Man könnte Faks noch röntgen lassen und sich die Diagnose bestätigen lassen, doch helfen würde ihm das nicht mehr erklärte mir die Tierärztin weiter.
Im Prinzip war klar, was getan werden musste. Dass Faks ersticken müsste, wollte ich auf gar keinen Fall und bei einem Blick auf den hechelnden mit offenem Mund dasitzenden kleinen Hasi war an dieser erschütternden Diagnose kaum noch ein Zweifel. Allerdings konnte ich es nicht übers Herz bringen ich sofort einfach so ohne Verabschiedung einschläfern zu lassen.
Dies war wohl ziemlich egoistisch von mir, doch ich beschloss Faks noch einmal mit nach Hause zu nehmen zu seinem Manni und unserer Familie, damit sich alle in Ruhe von ihm verabschieden konnten. Auf dem Weg nach Hause habe ich nur geheult.

Zu Hause angekommen habe ich Faksi erstmal rausgelassen zu seinem Hasenmann. Faks war total wütend über diese Aufregung und bei über 30°C draußen im Auto herumgefahren zu werden. Er stampfte erstmal und zog sich dann in seinen Stall zurück. Dort lag er dann wieder japsend am Boden und wartete.
Zwischendurch erkundigte ich mich im Kaninchenforum, ob vielleicht irgendjemand noch eine Idee hätte oder sich mit Tumoren auskennen würde. Außer mit tröstenden Worten konnte mir dort allerdings auch niemand mehr helfen. So wartete ich bis 15 Uhr die Mittagspause eines zweiten Tierarztes vorbei war. Faks lag mittlerweile nur noch auf dem Boden und machte beim Atmen komische Geräusche. Ich bereute wirklich ihn nicht schon erlöst zu haben. Als dann noch sein Hasenmann ihm das letzte Mal die Ohren putzte, Faks aber zu schwach war sich noch zu revanchieren, dachte ich wirklich ich muss sterben vor Traurigkeit.
Ich habe bisher nicht gewusst, dass Trauer so weh tun kann.

Irgendwann war es dann nach 15 Uhr und wir machten uns auf, Faks bei seinem letzten Weg zu begleiten. Ich dachte mittlerweile wären schon alle Tränen verbraucht, aber dass das doch nicht so war merkte ich bald.
Beim Tierarzt war ein Hund mit gebrochener Pfote vor uns dran, der erst geröntgt werden musste. Das dauerte ewig und es waren noch andere Leute im Wartezimmer. So mussten wir mindestens eine Stunde in dem warmen Wartezimmer warten. Faks saß in seiner Kiste und schaute mich die ganze Zeit an. Hin und wieder putzte er mit seinen Pfötchen sein Gesicht und dabei tropfte es richtig. Seine Nase war total nass und sein Mund war immer weiter geöffnet. Es war sicherlich eine furchtbare Qual für ihn. Ich konnte ihm aber auch nicht mehr helfen, als zu warten.

Nach ewig langer Zeit waren wir dann doch irgendwann dran. Ich hatte eigentlich vorgehabt den Tierarzt zu bitten Faks noch einmal zu untersuchen. Auch hatte ich vorher noch die Hoffnung gehabt, dass er vielleicht eine andere Diagnose stellen würde. Doch in Anbetracht von Faksis Zustand, konnte ich nur noch heulen.
Nach kurzer Untersuchung bestätigte auch dieser Tierarzt den Verdacht der ersten Tierärztin und er bereitete eine Narkosespritze vor, damit Faks einschlafen würde.
So gingen wir mit Faks noch einmal ins Wartezimmer. Zuerst saß er noch so da wie zuvor doch langsam wurde seine Atmung immer ruhiger. Ich streichelte ihn die ganze Zeit und irgendwann sackte sein Kopf dann zur Seite. Dies war der Moment zum Abschiednehmen. Faks war eingeschlafen und seine Atmung ging ganz ruhig. Er schlief mit offenen Augen und quälte sich wahrscheinlich nicht mehr. Ich konnte mir absolut nicht vorstellen, dass dies das letzte Mal sein würde, wo ich meinen Faks lebend sehen würde und wurde von einem weiteren Weinkrampf geschüttelt. Spätestens jetzt fühlte ich mich wirklich, als ob mein Herz zerbrochen wäre.
Als Faks dann wieder ins Behandlungszimmer kam, blieb ich im Wartezimmer. Wenige Minuten später kam meine Mama mit dem Korb wieder raus. Faks war zugedeckt und bewegte sich nicht mehr. Er war tot.

Wieder zu Hause legte ich den toten Faks nochmal zu seinem Manni, damit auch er begriff, wohin Faks gegangen war und dass er nicht wiederkommen würde. Er hat einmal kurz an Faks geschnuppert und leckte ihm danach mehrmals über den Kopf. Das war wirklich ergreifend. Ob Manni tatsächlich verstanden hat, dass Faks tot ist, weiss ich nicht. Allerdings suchte er in der folgenden Zeit immer nach ihm und schnuffelte in allen Ecken herum um ihn zu finden.

Am Abend gruben wir im Garten ein tiefes Loch und beerdigten Faks neben seinem ersten Hasenmann Bunny. Mit ins sein Grab gaben wir ihm ein Foto von sich und Manni, einen Löwenzahl und einen Joghurt Drops.
Auf sein Grab pflanzten wir anschließend Studenten Blumen.

Faks spielt jetzt hinter der Regenbogenbrücke mit seinem Bunny :-)